Was ich so beim Trampolin springen singe

Der Mensch lebt durch den Kopf.
Der Kopf reicht ihm nicht aus.
Versuch es nur, von deinem Kopf lebt höchstens eine Laus.
Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug.
Niemals merkt er eben allen Lug und Trug.

Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht.
Und mach noch einen zweiten Plan, gehen tun sie beide nicht.
Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlecht genug.
Doch dies‘ höh’re Streben ist ein feiner Zug.

Bertolt Brecht

Die schlimmsten Cover-Versionen aller Zeiten: The Sound of Silence

Und jetzt zu etwas völlig anderem: siehe Titel

Christian Buggischs Blog

Und wieder seid ihr Zeuge, wie eine neue Serie hier im Blog entstehen könnte. Der Anlass: diese grausame Version von The Sound of Silence, die schon seit Monaten im Radio rauf und runter gespielt wird … Das darf nicht unwidersprochen bleiben …

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Es ist normal, überlastet zu sein

Jesper Juul macht Familienberatung auf dem Onlineportal der Zeit. Unter dem Titel „Gnadenlose Elternmaschine“ berichtet eine dreifache Mutter von ihrem permanenten Gefühl der Überlastung und von depressiven Stimmungen.

Ich leider sehr darunter, dass ich nicht gerne Zeit mit meinen Kindern verbringe. Sie nehmen mir die Luft zum Atmen. Ich weiß nicht, wie ich das ändern kann. Ich denke oft, ich hätte besser gar keine Kinder bekommen. Dabei sind es Wunschkinder, was es umso bitterer macht.

Sie hat einen vierjährigen Sohn und ein zweijähriges Zwillingspärchen. Über das Berufsleben der Eltern wird nichts berichtet, es fehlt aber offenbar ein Netzwerk, zumindest wird erwähnt, dass die Großeltern zu weit weg wohnen um unterstützen zu können. Es wird auch nicht erwähnt, ob der Vierjährige im Kindergarten ist.

Die Mutter beschreibt ihren Mann und sich als „gnadenlose Elternmaschine“, die nur noch funktioniert.

Ehrlich gesagt wundere ich mich nicht. Ehrlich gesagt halte ich die Verfasssung der Mutter für ziemlich verständlich, ganz unabhängig von der familiären Neigung zur Depression, die sie auch beschreibt. Drei Kinder unter fünf, kein Netzwerk, da halte ich es für normal, überlastet zu sein. Ich frage mich wirklich, ob das typische Kleinfamilienleben wirklich das Beste für Alle ist. Ich frage mich, ob dieses Familienmodell nicht geradezu prädestiniert dafür ist, Überlastung zu produzieren. Eine Person, meistens die Mutter, ist für die Betreuung eines oder mehrerer Kinder abgestellt. Die tägliche Arbeitsbelastung ist groß, die Bedürfnisse des Kindes wollen erfüllt werden, der Haushalt soll gemacht sein. Und da ist ja nicht nur die praktische Arbeit, da sind viele Emotionen, die begleitet und ausgeglichen werden wollen. Die Ansprüche der Mütter an sich sind hoch, es reicht nicht, dem Kind Vertrauen in die Welt zu vermitteln, es muss Urvertrauen sein. Die Kinder sollen Urvertrauen bekommen, aber viele Mütter haben nicht mal Vertrauen in sich. Man kann ja so viel falsch machen, es kann so viel schief gehen.

Und ganz ehrlich, kleine Kinder sind süß und wunderbar, aber sie bieten keine geistige Herausforderung. Manchmal hatte ich das Gefühl, noch nicht mal in Ruhe denken zu können. Mir tat es gut zu arbeiten, Gespräche mit Erwachsenen zu führen über andere Themen als immer die Kinder. Das hat mich wieder merken lassen, dass es mich auch noch gab. Man kann so schnell hinter der Mutterrolle verschwinden. Und das alles ohne Netzwerk, ohne jemanden, den man mal fragen kann, ob er oder sie die Kinder mal nimmt, ist eine immense Belastung. Das ganze gilt potenziert für Alleinerziehende.

Ich habe in Barbara Shers Buch Wishcraft, in dem es um die eigenen beruflichen Wünsche geht, den Begriff des pathologischen Individualismus gefunden. Die  ungesunde Vorstellung, alles alleine machen zu müssen, alle Ziele alleine erreichen zu müssen, sich nicht helfen lassen zu wollen. Ich frage mich, ob der nicht auch auf viele Familien passt, kombiniert mit der immer noch üblichen Vorstellung, dass das Kind zur Mutter und damit die Mutter zum Kind gehört. Barbara Sher setzt diesem pathologischen Individualismus den Begriff des „Barnraising“ entgegen. Damit ist gemeint, dass die amerikanischen Farmer sich früher reihum dabei halfen, ihre Scheunen (Barns) zu errichten. Jeder half dem anderen und profitierte von der Hilfe der anderen.

Wäre das nicht auch ein Modell, um Mütter zu entlasten? Sicher ist es auch wertvoll und entlastend, sich mit anderen Müttern zum Reden zu treffen, ein Mütterzentrum war für mich ein unentbehrlicher Ort als meine Kinder klein waren. Und die Kinder mal für einige Zeit abgeben zu können muss auch sein. Aber warum nicht darüber hinaus gehen: Warum gibt es keine Mütterteams, die sich gegenseitig bei den Einkäufen und dem Haushalt unterstützen? Würde so etwas funktionieren? Eine stundenweise Großfamilie. Würdet Ihr das wollen? Macht das jemand von Euch?

Auf eure Antworten bin ich gespannt!

Ich, die Freak-Mutter

Ich bin seit zwölf Jahren Mutter. Und ich hatte es mir anders vorgestellt. Und ich bin fassungslos, immer wieder.

Beispiele gefällig?

  • E-Mails zu Kindergeburtstagen mit der Anrede: „Liebe Mamas!“ Wenn so was kommt, geht immer mein Mann zum Abholen. Der ist nämlich über so was genauso sauer wie ich und im Übrigen ein wunderbarer Geschenkeeinkäufer.
  • Ich werde gefragt, ob ich mit meiner kleinen Tochter mit zu einer Kinderfaschingssitzung gehen möchte. Um Gottes Willen, ich hasse so was! Ich drücke es diplomatischer aus: „Ich bin nicht so die Karnevalistin, außerdem feiern die Kinder ja auch in der Schule und im Hort, ich finde, das reicht!“ Antwort: „Ich bin ja auch nicht so eine Karnevalistin, aber ich habe ein Kind.“ Ja… und?
  • Ich bespreche mit meiner Tochter, die damals gerade sechs ist, ob sie sich auch traut, den Schulweg alleine zu gehen, weil ich ja noch die Kleine habe, damals etwa ein halbes Jahr und ich dann nicht morgens zwei Kinder eine Stunde lang fertig machen muss um dann mit beiden die drei Minuten zu gehen. Sie ist einverstanden, geht alleine, ich habe einen entspannteren Morgen. Ich erzähle das so einer Bekannten. Antwort: „Du warst ja auch schon immer eine ungewöhnliche Mutter.“ Ich rätsele bis heute, ob sie das sagt, weil ich meine Tochter alleine in die Schule geschickt habe oder weil ich so offen gesagt habe, dass es für mich entspannter ist, sie alleine gehen zu lassen.
  • Ich schnalle die Kleine im Schneeanzug auf den Kinderfahrradsitz um sie zur Krabbelstube zu fahren. Ja, es nieselt etwas, aber wir haben ja auch ganze drei Minuten Fahrt. Eine Nachbarin sieht das und sagt: „Na, das ist ja ein Ding!“ Weiter Erklärungen kommen nicht. Sie fuhr ihre Tochter übrigens die 900m zur Grundschule mit dem Auto. Auch bei schönem Wetter.
  • Zwei Väter die ich kenne, lassen ihre Frauen morgens die Kinder fertig machen ohne auch nur einen Schlag dabei zu helfen. Dabei sind die Frauen ebenfalls berufstätig. Der eine davon meckert dann auch gerne vor den Kindern über seine Frau, weil sie den Haushalt nicht ordentlich genug macht.
  • Ein anderer Vater, den ich hier schon ausführlich besprochen habe, beklagt sich lautstark am Telefon darüber, dass seine Frau nicht da ist, er auf die Kleine aufpassen müssse und er deswegen schon um 07:30 aufstehen müsse. Um diese Zeit verläßt meine große Tochter das Haus.
  • Ich bin auf einem Chorwochenende, ohne Kinder. Ich werde vom Kursleiter gefragt, wo denn meine Kinder sind. Ich verkneife mir gerade noch die Antwort „Im Schließfach am Bahnof!“
  • Wir treffen uns mit zwei Nachbarpaaren, die beide auch Kinder haben. Das Gespräch dreht sich zu 100% um … die Kinder. Ich hatte mich so auf das Treffen gefreut, hätte aber auch so gerne mal über was anderes geredet.
  • Wir sind am Wochenende mit unseren Kindern auf dem Spielplatz. Um uns herum nur Mütter. Ich wiederhole es noch mal: Es ist Wochenende.
  • Ein Gespräch unter Müttern, Thema Flohmärkte. Eine der Frauen empört sich vehement über eine Flohmarktteilnehmerin, die es gewagt hat, einen nicht selbstgebackenen Kuchen mitzubringen.

Ich könnte die Liste noch lange fortsetzen…

Ich bin da in einem Kosmos gelandet, den ich nicht verstehe und oft genug habe ich das Gefühl, er versteht mich auch nicht.

 

 

Wie ich einmal die Blumen gießen wollte

Morgens, 07:15. Ich setze Kaffeewasser auf und bemerke, dass es aus einem der Blumentöpfe auf der Fensterbank schon staubt. Also gieße ich schnell die beiden Pflanzen dort und auch noch die beiden im Wohnzimmer. Im Kopf notiere ich mir, dass ich auch noch die Pflanzen im Obergeschoss gießen will.

07:30 Die Große und mein Mann verlassen das Haus. Die Kleine kränkelt und bleibt da. Ich decke den Frühstückstisch ab, die Kleine verschwindet mit dem Versprechen, ihr Zimmer aufräumen, eben dorthin. Ich setze mich an den PC, Mails, Buchhaltung, etc.. Ach ja, die Wäsche. Nachdem ein unzureichend geschlossener Filterdeckel uns gestern das Bad voller Seifenlauge stehen ließ, arbeite ich noch die Folgen ab. Die Handtücher, die ich zum Aufwischen benutzt habe müssen mehrmals durch den Spülgang, ebenso die Matten. Und da ist ja auch noch die normale Wäsche. Und das Blumen gießen nicht vergessen.

10:45 Ein Paketbote bringt ein absurd großes aber sehr leichtes Paket.

11:00 Was steht noch auf meiner Liste: Ein Seminar stornieren, ein Probetraining im Rudern vereinbaren, eine WhatApp wegen einer Verabredung der Kleinen. Ach ja, die Blumen…

11:30 Weiter gehts mit der Wäsche, die Waschmaschine ist nicht mehr die Jüngste und klingt bedauernswert. Da muss sie durch. Mir fällt ein, dass ich noch einige Kleinigkeiten einkaufen muss. Und die Blumen…

12:00 Ich trinke einen Kaffee, die Kleine isst ein Brot. Die Blumen sind immer noch nicht gegossen.

12:15: Ich drücke mich vor der Tatsache, dass ich noch das Erdgeschoss putzen wollte, ähm, müsste. Stattdessen konsultiere ich mein Notizbuch und verschiebe ein paar meiner heutigen Vorhaben auf morgen. Das muss reichen. Da war doch noch was…

13:00 Ich habe immer noch nicht angefangen zu putzen. Die Blumen sind auch immer noch nicht gegossen.

13:10: Ich putze das Erdgeschoss.

14:10 Fertig. Die Große kommt aus der Schule. Wir sprechen über dies und das.

14:30 Ich gehe ins Obergeschoss um Sport zu machen. Krafttraining mit 4kg-Kurzhanteln. Anschließend schaue ich mal wieder nach der Wäsche.

15:30 Einkaufen mit der Kleinen. Ihr Zimmer ist nicht aufgeräumt.

16:00 Kochen, Linsensuppe mögen hier alle. Die letzte Runde Wäsche ist im Trockner.

17:00 Gemeinsames Abendessen. Anschließend gehe ich ins Obergeschoss um die endlich fertig gewaschene Wäsche zusammenzulegen und wegzuräumen. Dabei kommt mir eine Idee für einen Blogartikel. Ich könnte ja auch mal was zu #wmdedgt (Was machst du eigentlich den ganzen Tag?) schreiben.

20:00 Ich schreibe den Artikel. Ich bin zufrieden.

22:00 Ab ins Bett. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich habe was vergessen.

Wirkliche Souveränität

Ich mache meine übliche Walkingrunde durch unser Viertel. Ich mag die Strecke besonders deswegen weil sie autofrei ist, an Äckern und Kleingärten vorbei und mit einem schönen Blick auf den Feldberg. Aber irgendwann ist trotzdem ein Auto hinter mir. Ich mache Platz, bin etwas genervt, dass ich auch hier mit Autos zu tun habe – aber wahrscheinlich wollen sie nur zu einem der Kleingärten. Ich murmele etwas von „Weil man ja überall mit dem Auto hin muss“ vor mich hin, nicht ganz fair, ich weiß, das ist nun mal auch der Weg für die Autos zu den Kleingärten.

Aber trotzdem rechne ich nicht mit dem, was jetzt passiert. Das Auto hält an, das Fenster wird runtergekurbelt und die beiden auf den Vordersitzen verwickeln mich in eine Diskussion über das, was ich da gesagt habe. Der Beifahrer lässt sogar den Satz los, wer ich denn wäre, etwas über sie zu sagen. Ich bitte sie einfach immer wieder, weiter zu fahren, bleibe ruhig, bin aber gleichzeitig froh, dass ein Spielplatz in der Nähe ist, zu dem ich schnell gehen könnte. Das Auto fährt dann weiter, nicht ohne dass der Beifahrer mich noch als unverschämt bezeichnet.

Ich setze meine Runde fort, mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, bin froh, dass mir das Auto nicht noch mal begegnet, ärgere mich etwas über meine große Klappe. Andererseits, wie fragil müssen die Egos dieser Männer sein, dass sie wegen der Bemerkung einer wildfremden Frau, die ja nun auch nicht wirklich beleidigend war, so reagieren. Ich vermute mal, dass viele Situationen, die dann mit einer Anklage wegen Körperverletzung vor Gericht enden, so anfangen. Mit einer unbedachten Äußerung von irgendjemandem, von der sich ein anderer dann angegriffen gefühlt hat. Weil Stärke damit verwechselt wird, sich nichts gefallen zu lassen, sich zu wehren, es dem anderen mal so richtig zu zeigen. Dabei ist damit gar nichts gewonnen. Im Grunde räumen wir den anderen damit Macht ein, wir erlauben es den anderen, unsere Gefühle zu beeinflussen. Vor kurzem las ich mal den Satz: „Ich entscheide, wer mich beleidigen darf“, das trifft es ziemlich genau. Aber wir alle haben unsere Knöpfe, die andere dann drücken, oft ohne es zu wissen und wir sind verletzt, wütend, traurig.

Wirkliche Souveränität hätte anders ausgesehen, von mir und von ihnen. Ich hätte das Auto einfach durchlassen können, ohne Kommentar und sie hätten einfach weiterfahren können, auch ohne Kommentar.

Die Situation passt aber leider zu dem, wie ich unsere Gesellschaft wahrnehme: viel zu viele emotional unstabile oder überlastete Menschen. Viel zu wenig Konfliktfähigkeit. Viel zu wenig Einfühlungsvermögen füreinander. Viel zu oft die Haltung: „Ich mache was ich will, und wenn es dich stört, hast du Pech gehabt.“ Viel zu oft ist die berechtigte Kritik an Fehlverhalten schlimmer als das Fehlverhalten selbst. Viel zu oft das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein. Ich finde das eine gefährliche Tendenz.

Warum ich abnehmen will

Ich bin jetzt ungefähr die Hälfte meines Lebens übergewichtig. Die Zunahme begann einige Zeit nachdem ich bei meinen Eltern ausgezogen war und ich mich dann nicht um eine gesunde Ernährung gekümmert habe. Ich habe mir nie wirklich Gedanken um mein Gewicht gemacht, habe es eher ausgeblendet. Ich hatte auch nie wirkliche Nachteile dadurch, ich habe mir nie dumme Kommentare anhören müssen, es war eher so, dass viele mir nicht geglaubt haben, dass ich auch mit einer Abnahme von 30kg noch ein gesundes Körpergewicht haben würde. „Aber du bist doch auch groß!“ „Es wird ja mit zunehmendem Alter auch schwieriger abzunehmen.“ Und als ich einmal mein Idealgewicht nannte, wurde das als ja sowieso unrealistisch bezeichnet. Auch ein Arzt, mit dem ich mal darüber sprach, sagte mir, ich solle mir deswegen nicht so einen Kopf machen – er war übrigens auch übergewichtig und vielleicht daher eigentlich der falsche Ansprechpartner, so im Nachhinein betrachtet.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Ärzte mich nicht auf mein Übergewicht ansprechen, mit Ausnahme eines Orthopäden, der bei mir eine leichte Kniearthrose feststellte. (Die hatten und haben aber auch meine immer schlank gewesene Oma und mein allenfalls leicht aus dem Leim gegangener Vater, aber natürlich ist zu viel Gewicht bei einem angeschlagenen Knie nicht gut).

Erst vor einigen Monaten fing meine Haltung sich zu ändern an. Ich hatte meinen jetzigen Job in Aussicht und mir war immer klar, dass ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren werde. Eine Strecke sind knappe 8 km, hin und zurück also 16 km. Die Reaktionen in meinem Bekanntenkreis waren „So viel willst du fahren?“ Da war ich wirklich perplex, selbst ich, die ich ziemlich unsportlich bin, fand das nicht viel. Gut, am Anfang hatte ich dann doch Muskelkater, aber nach etwa vier Wochen hatte mein Körper sich darauf eingestellt. Aber diese Reaktionen waren dann der Anlass, darüber nachzudenken, was wir mit unserem „zivilisierten“ Leben, der Kombination aus viel zu wenig Bewegung und immer leicht verfügbaren Essen unseren Körpern eigentlich antun, was ich meinem Körper damit antue. Mein Gewicht fing an, mich zu stören, ich wollte nicht mehr dick sein, wollte in meinem neuen Job nicht die dickste sein. Ich wollte nicht mehr, dass mir doch vieles schwer fällt, weil ich so schwer bin.

Ich habe mir dann das Buch „Fettlogik“ von Nadja Hermann gekauft. Ich hatte von dem Vorwurf gehört, sie betreibe Fatshaming – und wenn ich jetzt nur ihre Comics kennen würde, würde ich da in Teilen auch zustimmen. Sie schreibt aber auch selbst im Vorwort zu ihrem Buch, dass es schwierig war das was sie sagen wollte, in der Form von Comics zu vermitteln. Das Buch fand ich dann sehr fundiert und erhellend, weil eben viele Annahmen, die wir zum Thema Abnehmen in den Köpfen haben, nicht stimmen. Ertappt gefühlt habe ich mich v.a. bei der Aussage, dass Dicksein oft auch mit Stärke verbunden wird, schließlich braucht man ja Muskeln, um einen schweren Körper aufrecht zu halten und zu bewegen. Damit habe ich mich immer getröstet, dass ich zwar dick, aber auch stark bin. Aber vermutlich wäre ich viel stärker, wenn ich schlank und sportlich wäre.

Jedenfalls hat das Buch bei mir einiges bewegt, v.a. hat es mir vermittelt, dass Abnehmen wirklich möglich ist, dass ich meine Abnahme kontrollieren kann, dass ich es in der Hand habe, ohne Programme mitmachen zu müssen, ohne mich irgendeiner Ernährungsschule anschließen zu müssen. Ich habe Mitte Juli angefangen und hatte bis vorgestern etwa 3kg weniger. Ich schreibe jeden Tag auf, was ich esse und wiege mich täglich, beobachte, wie das Gewicht zwar auch mal einige Sprünge macht, aber von der Tendenz eindeutig sinkt.  Am Wochenende war ich bei meinen Eltern, da hatte ich keine Lust aufs Kalorienzählen und habe ausgesetzt. Die Waage zeigte auch heute morgen wieder etwas mehr, aber ab heute steige ich wieder ein und dann wird das auch wieder.

Ein richtiges Sportprogramm habe ich derzeit noch nicht. Ich fahre in der Woche etwas mehr als 60km Fahrrad, das werde ich auf jeden Fall beibehalten, allein schon deshalb, weil ich mit dem Fahrrad am schnellsten zur Arbeit komme. Ich habe mich nach Sportvereinen umgeschaut, mag mich aber eigentlich nicht zu Kursen verpflichten. Ich habe mir aber vorgenommen, öfter mal meine Walking-Stöcke rauszukramen, bei uns im Viertel gibt es ganz schöne Strecken.

Nadja Hermann schreibt auch – ich glaube auf ihrem Blog – dass man Vorher-Nachher-Fotos machen solle. Ich habe mir was anderes überlegt. Bei meinem alten Gürtel ging die Schnalle kaputt, ich habe mir jetzt einen neuen gekauft, der mir eigentlich etwas klein ist. Im Moment ist der Gürtel im weitesten Loch, ich hoffe, dass ich den Gürtel mit der Zeit immer enger schnallen kann. Mal sehen, wo ich ankomme.

Nachtrag: ich habe noch was für mich ganz wichtiges vergessen: Ich möchte endlich wieder den Sommer genießen können, dazu gehört auch, mich endlich wieder in einem Sommerkleid wohl zu fühlen. Ich kann seit Jahren keine Röcke und Kleider anziehen, ohne das meine Oberschenkel gegeneinander scheuern. Ich weiß, das kennen viele, aber ich möchte mir endlich wieder einmal einen schönen Rock oder ein Kleid ohne Radlerhose drunter anziehen. Ich bin wirklich neidisch auf meine beiden Töchter, die das selbstverständlich können. Natürlich hätte ich auch, wenn ich schlank wäre, keine Figur wie meine große Tochter, ich bin ja nicht mehr 11, aber ich hätte gerne etwas von dieser Selbstverständlichkeit zurück, die die beiden noch haben.

Hast du dir eigentlich irgendwie selbst zugehört ?

Lieber unbekannter Vater,
wir sahen dich heute auf dem Spielplatz, dich und deine Kleinkindtochter. Sie spielte an den Schaukeln, du telefoniertest lautstark, leider. „Weißt du“, sagtest du, vermutlich zu einem Kumpel, „diese Woche wird ziemlich stressig.“ Es stellte sich heraus, dass deine Frau/Freundin von Montag bis Donnerstag weg ist. Das bedeutet, um es mit deinen Worten zu schildern: „Ich muss dann schon um 7:30 aufstehen, die Kleine in die Krippe bringen, dann zur Arbeit, dann direkt die Kleine wieder abholen und dann habe ich sie auch noch die ganzen Abende!“

Mein Mann und dafür liebe ich ihn sehr, sagte:“Wir reden schon von diesem Jahrhundert, oder?“

Es ging aber noch weiter: „Aber am nächsten Wochenende bin ich dann weg.“ Und dann war keine Rede mehr davon, dass deine Frau/Freundin die Kleine dann das ganze Wochenende hat.

Hast du dir eigentlich irgendwie selbst zugehört??

Meine Tochter, der externe Ohrwurm

Ich habe eine Tochter mit einem sehr guten musikalischen Gedächtnis. Sie kann Lieder z.T. nach einmaligem Hören nachsingen, zumindest die Melodie. Sie singt gerne und viel und ich überlege, sie in einem Kinderchor anzumelden (und in einem Karatekurs, aber das gehört jetzt nicht hierher). Wenn sie nicht singt, läuft ihr CD-Spieler. Inzwischen haben wir dafür ein Netzteil gekauft, die Kosten für die Batterien waren dann doch zu hoch. So weit so gut.

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Nicht nur die Engel singen, auch meine Tochter (c)Pixabay

Ich habe aber auch ein sehr gutes musikalisches Gedächtnis. Ich singe selbst, im Chor und im Gesangsunterricht. Ich bin sehr anfällig für Ohrwürmer, nach einem Chorwochenende hatte ich die Melodien eine Woche lang im Ohr, das war irgendwann schon unangenehm. Ich bin auch ziemlich geräuschempfindlich. Ich kann mich gegenüber Melodien und Geräuschen nur schlecht distanzieren, ich höre dann hin, ob ich will oder nicht. Zu laute Musik in der Bahn kann ich deswegen nur schwer ertragen. Und immer wieder die gleiche Kindermusik auch nicht. Und immer wieder die gleichen gesungenen Kinderlieder auch nicht. Noch schlimmer sind nur Kinderliederfetzen, immer wieder von vorne. „Von Planet zu Planet, von Planet zu Planet, von Planet zu Planet…“

Irgendwann bitte ich sie, mit dem Singen aufzuhören und komme mir blöd dabei vor, weil Singen ja was Schönes ist und sie da ohrenscheinlich ein Talent hat. Sie hört dann auch auf, fängt aber manchmal gleich wieder an, sie singt einfach bei dem, was sie tut, vor sich hin. Und irgendwann bitte ich sie dann wieder aufzuhören und komme mir wieder blöd vor. Ich glaube, mit dem externen Ohrwurm werde ich noch eine Weile Leben müssen.